Zyklische Jahresplanung: wie du dein Jahr nach deinen inneren Jahreszeiten leben kannst
- Josianne Hosner
- 12. Jan.
- 4 Min. Lesezeit

Das kennst du ja sicher auch: Dein Kalender ist voll. Eigentlich immer, jahrein, jahraus.
Montag Training. Dienstag Musik. Mittwoch Nachhilfe. Donnerstag endlich mal nichts. Und natürlich jeden Tag die Schule. Und irgendwo dazwischen sollst du noch funktionieren, gute Laune haben, Energie haben, präsent sein. Früh aufstehen und immer wieder lernen, lernen, lernen.
Aber was, wenn dein Körper manchmal einfach etwas anderes sagt? Kein Bock. Keine Lust. Keine Energie. Lasst mich in Ruhe. Was, wenn du im Oktober plötzlich das Gefühl hast, alles wird etwas schwerer, obwohl Schule, Hobbys und Freundschaften eigentlich gleich weiterlaufen wie sonst auch? Oder wenn im Juli alle in Sommerlaune sind und du alles zu laut, zu hell, zu schnell findest?
Hier kommt etwas Wichtiges:
Du hast im Jahr nicht nur vier Jahreszeiten draussen in der Natur, du hast zusätzlich ungefähr 13 kleine Mini-Jahreszeiten in dir selbst.
Dein Menstruationszyklus läuft immer wieder durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Der Winter steht für die Zeit der Menstruation. Und diese inneren Jahreszeiten dürfen dir helfen, besser für dich zu schauen, und zwar durch das ganze Jahr hindurch.
Und du bist ganz sicher nicht «asozial», wenn du einmal sagst: «Heute nicht. Ich brauche Ruhe.»
Im Gegenteil: Das ist Selbstfürsorge. Und die ist immer ein guter Plan.
Frühling (März, April und Mai):
Aufblühen & Mut fassen
Schon im März spriessen die Blumen spriessen, und dann hört es gar nicht mehr auf: Alles wird Grün, die ersten Blüten werden von den Bienen beglückt, die Wälder und Felder erwachen wieder zum Leben. Genauso fühlt es sich oft nach der Mens an, in deinem inneren Frühling: Die Energie kehrt zurück. Du bekommst Lust, Dinge anzupacken, Pläne zu machen und Freundinnen zu treffen.
Frage dich im Frühling:
Was möchte in dir wachsen? Wofür schlägt dein Herz jetzt lauter?
Tipp 1 – Pläne aushecken:
Schreib dir drei Dinge auf, die du in den nächsten Wochen ausprobieren möchtest. Etwas Neues, etwas Kleines, etwas Verrücktes. Egal was, Hauptsache du hast Spass daran und es bringt deine Augen zum Funkeln.
Tipp 2 – Spüre deine Menschen:
Frag dich: Mit wem fühle ich mich wirklich wohl? Wer tut mir gut? Und bei wem ziehe ich mich innerlich zusammen, und wer raubt mir Energie? Allein diese kleine Beobachtung verändert deine Entscheidungen, mit wem du Zeit verbringen willst.
Sommer (Juni, Juli, August):
Strahlen, Freundschaften pflegen & Grenzen spüren
Sommer bedeutet Flipflops, lange, helle Abende, Entspannung. Der Juni ist aber meistens vollgepackt mit letzten Tests, Schulabschlüssen, Verabschiedungen, Loslassen, und dann kommen eeeendlich die lang ersehnten Sommerferien.
In deinem inneren Sommer, als in der Zyklusmitte, fühlst du dich oft kraftvoll, verbunden und bereit, deine Freundschaften zu feiern.
Zyklischer Gedanke:
Du darfst geniessen. Du darfst viel lachen.
Tipp 1 – Beziehungen nähren:
Verbring bewusst Zeit mit Menschen, die dir guttun. Schreib einer Freundin, die du liebst, aber lange nicht gesehen hast. Lade jemanden auf einen Spaziergang oder ein Glacé ein.
Tipp 2 – Grenzen im Sommer:
Auch in der hellsten Zeit kann dir etwas zu viel werden, denn auch während den Sommermonaten ist manchmal (zu) viel) los und du menstruierst ja auch dann. Mit der Hitze kann das schon manchmal ganz schön viel werden. Verwende Sätze wie:
«Das ist mir gerade zu viel. Ich brauche ein bisschen Luft für mich.»
Das zeigt Stärke, nicht Schwäche.
Herbst (September, Oktober November):
Sortieren, Loslassen & Klarheit finden
Der Herbst in deinem Zyklus ist manchmal wie ein kleiner Sturm: Du wirst ehrlicher, klarer, deutlicher. Das passiert oft in den letzten Tagen vor der Menstruation. Du spürst besser, was dich nervt, sowohl in deinem Zimmer wie auch in deinem Leben.
Zyklischer Gedanke:
Du darfst ausmisten, im Zimmer und in Freundschaften.
Tipp 1 – Kleiderschrank-Befreiung:
Mach einen Herbsttag zu deinem Ritual: Kleidungsstücke, die du nie trägst oder nicht mehr liebst, dürfen gehen. Es macht innerlich sofort leichter.
Tipp 2 – Ehrliche Kommunikation:
Sag Sätze wie: «Ich brauche heute Ruhe.»
«Ich komme später nach, ich brauche jetzt noch eine kurze Pause.»
Das schafft Respekt, auch bei Freundinnen. Und wenn dir diese Sätze schwerfallen, hier ein extra Tipp: Übe sie, so wie du französisch Verben üben würdest. Steh vor den Spiegel und wiederhole sie. Danach fallen sie dir im echten Gespräch leichter.
Winter (Dezember – Februar):
Rückzug, Wärme & tieferes Spüren
Der Winter ist dein innerer Menstruations-Winter: langsamer, dunkler, weicher. Du brauchst mehr Erholung. Mehr Wärme. Mehr Zeit für dich.
Zyklischer Gedanke:
Rückzug ist nicht falsch. Rückzug ist Selbstfürsorge, ist Me-time. Du hast ein Recht darauf.
Tipp 1 – Kleine Winterrituale:
Mach dir ein Fussbad. Kuschel dich mit einem Buch ins Bett. Höre ruhige Musik. Erlaube dir, wenig zu leisten.
Tipp 2 – Mut zur Pause:
Wenn du müde bist, sag klar: «Geht ihr ohne mich an den Weihnachtsmarkt / Eislaufen / Kerzenziehen, ich mache es mir zu Hause gemütlich. Nächstes Mal bin ich wieder dabei.»
Du setzt damit ein Zeichen, dass dein Körper wichtig ist, und das ist echte Selbstachtung.
Dein innerer Kompass
Weil dein Zyklus etwa 13-mal im Jahr durch alle vier inneren Jahreszeiten geht, wirst du manchmal im Juli einen inneren Winter spüren, oder im November einen inneren Frühling. Das ist normal. Das ist natürlich. Und das macht dich nicht komisch, sondern weiblich. Dein innerer Jahreszeiten-Kompass ist immer bei dir.
Und das Schönste? Je mehr du zu dir schaust, desto wohler fühlst du dich in deinem wunderbaren Körper.

Josianne Hosner ist Zyklusmentorin, Autorin und Meisterin darin, zyklische Alltagsabenteuer zu beleuchten und Menstruationsmythen humorvoll zu entwirren. Mit ihrem Unternehmen Quittenduft stellt sie seit über zehn Jahren alltagstaugliches Zykluswissen ins Rampenlicht. In ihrem Buch «Back to the Roots – Zyklisch leben mit immenser Freude» und ihren Onlineangeboten zeigt sie Frauen, wie sie ticken, warum sie austicken und wie sie die vier inneren Jahreszeiten ihres Zyklus nutzen können, ohne Hokuspokus, mit viel Humor und immer mit einer Tasse Tee in der Hand. Sie lebt im Kanton Bern, Schweiz, wo sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern zwischen Wäschebergen und Waldspaziergängen das zyklische Leben in vollen Zügen auskostet.




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