top of page

Dem Wandel vertrauen

Wenn Jugendliche und ihre Eltern sich auf den eigenen Weg machen


Der Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter ist eine Zeit des Umbruchs. Oft befinden sich in genau derselben Zeit auch die Eltern in einer Wandlungsphase. Während junge Menschen beginnen, sich neu zu orientieren, stehen viele Erwachsene selbst mitten in einem Veränderungsprozess: den sogenannten „Jahren des Wechsels“. Dieser doppelte Wandel birgt Konfliktpotenzial – und gleichzeitig große Chancen für persönliches und familiäres Wachstum.


Eltern und Jugendliche auf dem gemeinsamen Weg des Wandels

«Manchmal verstehe ich nur Bahnhof. Was meinst du – wie bitte?»


Dieser Gedanke könnte von einem Jugendlichen stammen – oder ebenso gut von dessen Eltern. In der Lebensübergangsphase eines jungen Menschen stecken auch die meisten Eltern in einer tiefgreifenden, oft unbewussten Wandlungsphase. Sie befinden sich in der Lebensmitte – den sogenannten Jahren des Wechsels – und haben ebenfalls mit körperlichen Veränderungen zu kämpfen. Die Hormone tanzen wild, der Körper verändert sich, und die Beziehungen werden hinterfragt. Viele Menschen ab 40 verspüren den Wunsch, ihr Leben neu zu verstehen und auszurichten – oder klammern sich an das, was bisher getragen hat.


Dabei dreht sich das Lebensrad weiter … und bringt die Eltern in diesem Lebensabschnitt in ein Feld neuer Möglichkeiten. Das kann Freude auslösen, aber auch existentielle Unsicherheit hervorrufen. Vielleicht, weil nun die Reife da ist, auch schmerzhafte oder traumatische Themen bewusst anzuschauen und zu verarbeiten. Oft gehen die Jugendlichen jedoch voraus und berühren die Eltern an unverarbeiteten, sensiblen Stellen – und werden somit ungewollt zu Katalysatoren des Familiensystems.


Diese Phasen der Transformation fordern heraus. Und sie bergen viel Schönes aus dem Untergrund, wenn man den Mut hat tief zu tauchen. Doch gleichzeitig stellt sich auch die Frage;


Wie geht ein gemeinsames und achtsames Wachsen in eine neue Lebensphase?


Was wissen wir denn über Transformation und den dafür essenziell wichtigen sicheren Raum? In einem Berufs-, Schul- und Familienalltag, in dem alle ihr Bestes leisten müssen und die natürliche Gemeinschaft oft nicht vorhanden ist, wird es nicht einfach, dem zarten Wandel einer sich neu ausrichtenden Seele zuzuhören. Und dann betrifft es noch ein ganzes Familiensystem; die Jugendlichen, die Mutter, der Vater … und wenn da noch ein kleines Geschwisterkind ist, versteht auch dieses nur „Bahnhof“.


Ja, dieser Wandel hat es in sich.

Er birgt Konfliktpotenzial.

Und er birgt Chancen.


Was wir wirklich brauchen

Das Konfliktpotenzial ist klar ersichtlich: Wer nicht genau weiß, wer er oder sie selbst ist oder was er oder sie braucht, sich dessen Unsicherheit nicht bewusst ist und gleichzeitig keine Unterstützung holt, projiziert diesen Frust gerne auf das Gegenüber. Dann fallen Vorwürfe, alles wird kritisiert, und die Wertschätzung füreinander ist meilenweit entfernt. Unsere Nervensysteme werden flattrig, und der nächste destruktive Konflikt ist vorprogrammiert.


Dabei ist es genau das, was wir in dieser sensiblen Zeit voneinander brauchen: Wertschätzung. Wer sich wertvoll und geschätzt fühlt, kann sich entspannen, verändern und entfalten.


Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Wenn ich eine wohlwollende und wertschätzende Atmosphäre in meiner Familie wahrnehme, erlaube ich mir selbst mehr Weitung, weil sich mein Zuhause sicher anfühlt – ich kann gehen und mir Zeit für mich selbst nehmen. Ich sorge für meine Körperin, tue mir Gutes und stärke mich, um in meiner Kraft zu sein. Manchmal bedeutet das auch, dass ich vorausgehe – gerade dann, wenn das Wohlwollende nicht sofort spürbar ist. Dann spreche ich meine Bedürfnisse in Partnerschaft und Familie an und suche gemeinsam nach Lösungen:


  • Wie können wir alle unseren eigenen Raum füllen?

  • Wer hat das Gefühl, zu viel zu geben oder zu machen – oder zu wenig zu erhalten bzw. entlastet zu werden?

  • Wie können wir uns gegenseitig Freiraum schenken, statt an idealisierten Vorstellungen von Familienzeit festzuhalten?

  • Können wir einander vertrauen, dass unser Familienband hält, auch wenn wir unseren eigenen Weg gehen – und was brauchen wir dafür?

  • Wo liegen unsere gemeinsamen Interessen und Ressourcen, und wann/wie möchten wir diese pflegen?


In diesem Abfragen und Aushandeln der unterschiedlichen Bedürfnisse entsteht eine wohlwollende Atmosphäre, weil wir einander zuhören und verstehen lernen. Im besten Fall finden wir einen Konsens, wie wir miteinander umgehen bzw. unseren Alltag gestalten.


Mutter und Tochter in der Zeit des Wandels


Die Perle der Gleichwertigkeit und Authentizität

Eins ist gewiss: Jetzt im Leben mit Jugendlichen ist die Zeit reif für eine ebenbürtige Gesprächskultur. Die Zeit des Kleinkindalters, in der Kinder komplett von ihren Eltern abhängig waren und diese primär die Entscheidungen trafen, ist vorbei. Jetzt ist es an der Zeit, gemeinsam neue Abläufe, Abmachungen und rituelle Handlungen für den Familienalltag zu gestalten und dabei als Eltern achtsam und demokratisch zu führen.


Fühlen sich die Jugendlichen in ihren Bedürfnissen ernst genommen, nehmen sie auch ihre Eltern ernst. Genau hier liegt die verborgene Perle und die Basis des gleichzeitigen Wandels: das Feld des gegenseitigen Respekts und der gelebten Kultur der Gleichwertigkeit schenkt den Eltern die Erlaubnis, sich authentisch in ihren Unzulänglichkeiten und suchenden Lebensthemen zu zeigen und damit für ihre Kinder zugänglich zu werden. Sie leben ihren Kindern vor, dass Selbstfürsorge essentiell für ein gesundes Leben ist und sich Transformation dann lebensdienlich vollziehen kann, wenn ein gehaltener, entspannter und ruhevoller Raum dafür besteht.


Aus dieser Basis heraus, sich einander zumuten zu können, ist die Begegnung mit jugendlichen Kindern und Beziehungspartnern viel entspannter. Emotionale und körperliche Nähe wird zur Quelle der Verbundenheit, geschieht oft freiwillig und erlaubt allen Beteiligten, sich aus einer sicheren Verbindung wieder in die eigene Autonomie zu wagen. Dort ist es möglich, das Leben und sich selbst neu zu entdecken.


So wird aus Familie eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig trägt.


Patricia Christina Vogelsang

Patricia Christina Vogelsang


Naturzyklische Prozess- und Ritualgestaltung / Naturpädagogik / traumasensible Körperarbeit & Tanzvermittlung

Patricia arbeitet seit ihren Zwanzigern mit eigenen Angeboten in der Natur und mit Menschen. Heute wirkt sie hauptsächlich als Prozess - und Ritualgestalterin in Lebensübergängen von Einzelpersonen, Paare und Gruppen, wobei ihr Fokus aktuell in der Arbeit mit Jugendlichen und Paaren liegt. Sie ist Teil vom Gemeinschaftsprojekt Spina Malix und lebt & liebt als Familienfrau von zwei jugendlichen Söhnen und in einer 20jährigen Partnerschaft im wilden auf & ab. Ihre Stärke liegt im Raum halten für das Erleben von Verbindung; mit der Natur, mit sich selbst, unter Menschen und der geistigen Welt. Nach fünfzehnjähriger Frauenkreis Erfahrung begleitet sie seit 2019 Mädchen im Übergang zum jugendlichen Frausein mit dem Angebot Wandelzeit Zyklus. Zurzeit absolviert sie eine Ausbildung in Neurosomatischer Traumaintegration.

 

www.patriciavogelsang.ch

 

Für den Verein Mädchenkreis finden zwei Online Fortbildungsabende zum Thema des Blogartikels «dem Wandel vertrauen» statt;

 

Online

Mittwochabend 8.April 2026

oder

Mittwochabend 11.November 2026

Jeweils von 19.00  - 21.30Uhr

 

Weiter Infos erhältst du bei Patricia.


 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page